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Archetypen & Mythologie

Archetypen & Mythologie

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Archetypen sind nach C.G. Jung prototypische, von den einzelnen Kulturen unabhängige, immer wiederkehrende Symbole. Als Urbilder aus dem Unterbewusstsein bilden sie Grundmuster, die zur Figurenzeichnung verwendet werden können.

Ariadnefaden ^
Der Ariadnefaden ist ein geheimes Band, das die Kraft der Liebe symbolisiert. Es steht für eine quasi telepathische Verbindung zwischen den Liebenden.

Wasserstelle ^
Die Wasserstelle ist der mythologische Versammlungsort, an dem man beobachten und Informationen sammeln kann. Sie dient dazu, über das weitere Vorgehen zu beraten, einen Plan zu entwickeln oder eine Strategie zu verändern, Vorbereitungen zu treffen, Aufgaben zu verteilen und sich neu zu organisieren.

Lagerfeuer ^
Das Lagerfeuer stellt eine Erholungspause dar, in der die Akteure wieder Kraft schöpfen, sich ausruhen, regenerieren können. Es dient zur Besinnung und zum Nachklang und ist geprägt von der Erkenntnis, dass künftig nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. In ihrer dramatischen Funktion als lyrische Passage und Zäsur bewirkt sie bei den Figuren wie beim Zuschauer ein entspannendes Luft holen und Revue-Passieren-Lassen des bisher Geschehenen.

Anima und Animus ^
Nach C.G. Jung bezeichnet Anima das weibliche Element des männlichen Unbewussten und Animus das männliche Element des weiblichen Unbewussten. Im Traum begegnet der männliche Protagonist seiner Anima bzw. die weibliche Protagonistin ihrem Animus.

Archetypische Figuren ^
Archetypische Figuren stehen stets in gleichen Beziehungen zueinander. Sie können vom Zuschauer schnell emotional erfasst werden, da dieser intuitiv die ihnen zugrundeliegenden universalen Muster erkennt. Zudem treiben sie die Handlung als Funktionsträger voran, indem sie dem Helden entweder zur Seite stehen oder aber ihn herausfordern und seinen Weg mit Hindernissen und Gefahren pflastern.
Archetypen spiegeln dabei uralte menschliche Wesensmerkmale wieder, so dass sie auch als personifizierte Symbole menschlicher Charakterzüge zu verstehen sind. Um einer archetypischen Figur Tiefe und Komplexität jenseits des Stereotyps zu verleihen, sollte man verschiedene archetypische, aber auch individuelle Charaktereigenschaften miteinander kombinieren.

Held ^
Über den Helden erhält der Zuschauer Zugang zur Geschichte. Er sieht die Geschichte aus der Perspektive des Helden und kann sich mit ihm identifizieren.
Im psychologischen Sinne repräsentiert der Held das „Ich“ im Freud’schen Sinne, also das Individuum, das sich von den anderen Angehörigen seiner Gruppe getrennt wahrnimmt und nach Identität und Ganzheit sucht. Daraus leitet sich das Need des Helden ab, das darin besteht, eine einheitliche, ausgewogene Persönlichkeit zu werden.
In der Tragödie gibt es den tragischen Helden, der schuldlos schuldig ist. In der Komödie gibt es die Ausprägung des komischen Helden.
Das Gegenstück zum Helden in einer (post)modernen, immer komplexer und ambivalenter werdenden Welt bildet der Antiheld: Entbettungs- und Entfremdungsprozesse haben ihn zu einer Degeneration des Heldentypus‘ gemacht. Ob als Underdog oder Outlaw stellt der Antiheld stets einen Außenseiter der Gesellschaft dar.

Mentor ^
Mentor und Held stehen in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis zueinander. Früher war ein Mentor oft selbst ein Held, der heute als Legende verehrt wird. Indem er seine Erfahrungen nun an den Helden weitergibt, bereitet er ihn auf die bevorstehenden Ereignisse vor. In seiner Vorbildfunktion ermutigt, unterstützt, berät, beschützt, lehrt und leitet er den Helden. Er stattet ihn mit Ausrüstung, Wissen oder Selbstvertrauen aus.
In seiner psychologischen Deutung verkörpert der Mentor eine idealisierte Projektion des Helden bzw. sein Freud’sches Über-Ich: den edlen, weisen, göttlichen Teil seines Selbst.

Herold ^
Der Herold zwingt den Helden zum Handeln, indem er ihm eine entscheidende Nachricht überbringt. In seiner Funktion als Medium macht er dem Helden die Notwendigkeit einer Veränderung bewusst. Psychologisch gesehen stellt er die Motivation des Helden dar, seine innere Glocke, die ihm zum Abenteuer aufruft.

Schwellenhüter ^
Als „Wächter der Ordnung“ steht der Schwellenhüter für die Wahrung der Verhältnisse. Er stellt sich dem Helden, der sich gerade an der Schwelle zu einer neuen Welt befindet, in den Weg und hindert ihn am Übertreten. Der Held muss auf ihn reagieren, indem er umkehrt und wegläuft oder aber die Herausforderung annimmt. Dabei kann er versuchen, den Schwellenhüter zu umgehen oder anzugreifen, zu besänftigen oder zu bestechen, ihn zu überlisten oder zu seinem Verbündeten zu machen. Auf seinem Weg kann der Held mit mehreren Schwellenhütern konfrontiert werden. Deren dramaturgische Funktion besteht jedoch immer darin, die Reife des Helden zu prüfen.
In psychologischer Hinsicht ist der Schwellenhüter der innere Schweinehund des Helden, bestehend aus seinen Neurosen, emotionalen Wunden und Abhängigkeiten.

Schatten ^
Der Schatten ist die zerstörerische Kraft, die vom Helden Besitz ergreift und ihn zu vernichten droht. Er repräsentiert das Unterbewusste, das der Held unterdrückt oder sich nicht zutraut: seine Abgründe, dunklen Seiten und sein selbstzerstörerisches Verhalten, seine verdrängten Ängste oder Frustrationen, seine unkanalisierte Wut oder Trauer, seine unausgelebte Kreativität oder Sexualität.
Die dramaturgische Funktion des Schattens besteht darin, den Helden herauszufordern und in eine lebensbedrohliche Situation zu bringen.

Trickster ^
Der Trickster ist der Feind des Status quo und Freund der Anarchie, Provokation und Schadenfreude. Er ist die subversive Kraft, die Energie des Unfugs, die die bestehende Ordnung untergräbt.
Durch sein Verhalten als boshafter Clown oder schelmischer Störenfried sorgt er für Comic Relief, indem er aufgestaute Spannungen auf komische Art löst. Seine dramaturgische Aufgabe besteht darin, den insgeheimen Wunsch des Helden nach Veränderung zu verstärken und die Konfrontation zu beschleunigen, dabei aber auch das Ego des Helden durch komische Brechung zu entlarven.

Gestaltwandler ^
Der Gestaltwandler entwickelt sich im Verlauf der Geschichte vom besten Freund des Helden zu seinem größten Feind. Er führt den Helden in die Irre, blendet und manipuliert ihn.
Indem er dem Helden Rätsel aufgibt, wissen dieser und auch der Zuschauer selten, wie es um seine Loyalität bestellt ist. Dramaturgisch wird der Gestaltwandler eingesetzt, um Zweifel und Spannung zu streuen, während er psychologisch die Anima des Helden bzw. den Animus der Heldin verkörpert.

Beispiele für weitere Archetypen sind: Mutter, Vater, Krieger, Kämpfer, Rebell, König, Prinzessin, Liebender, Verlassener, Femme Fatale, Richter, Weiser, Prophet, Priester, Künstler, Narr, Fremder, Wilder, ständiger Begleiter.

Further ReadingLiteraturempfehlungen

• Campbell, Joseph: Hero with a Thousand Faces. London 1993. / Der Heros in tausend Gestalten. 1999.
• Vogler, Christopher: The Writer’s Journey: Mythic Structure for Writers. Kalifornien 1998. / Die Odyssee der Drehbuchschreiber, Romanautoren und Dramatiker: Mythologische Grundmuster für Schriftsteller. 2018.

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