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Szenisches Schreiben

Szenisches Schreiben

Dialog_Subtext

Zunächst einmal gilt beim szenischen Schreiben der Grundsatz, dass man so spät wie möglich in eine Szene einsteigen und so früh wie möglich aus der Szene rausgehen sollte. Zudem sollte jede Szene einer Figur „gehören“. Das bedeutet, dass die Szene aus der Perspektive einer bestimmten Figur geschrieben wird. Das kann, muss aber nicht die Hauptfigur sein.

Dialog
Dialog sollte soweit möglich der Figurenzeichnung dienen und sowenig wie möglich der Informationsvermittlung. Als Mittel zur Charakterisierung kann er Distanz oder Ironie transportieren, eine Schutzzone bieten, Unsicherheit, Vertrautheit oder Zugehörigkeit (zu einer Schicht oder Region) ausdrücken. Eine Figur kann im Dialog Dinge über- oder untertreiben und beides gibt Aufschluss über ihren Charakter oder ihre momentane Verfassung.
In der Realität vollzieht sich ein Gespräch selten direkt. Lebensecht wirken Dialoge zum Beispiel, wenn Antworten zweideutig sind oder nur auf einen Teil der Frage eingehen, wenn Gedanken mitten im Satz springen, wenn Figuren eine Frage mit einer anderen Frage beantworten, wenn zwei oder drei Repliken vergehen, ehe eine frühere Frage beantwortet wird, wenn Figuren, die einen Konflikt miteinander austragen, sich ins Wort fallen oder wenn sie ihren Dialog indirekt über eine andere anwesende Figur führen.

    Subtext
    Der Subtext ist die unausgesprochene Bedeutung bzw. die zweite Ebene einer Szene. Er bezieht sich nicht nur auf den Dialog, sondern auf alle Handlungen, auf Blicke und Gesten in jedem Augenblick des Films. Er umfasst alles, was nicht an die Oberfläche kommt. Beispiele für Subtext auf Dialogebene sind Ironie oder Lügen, aber auch das Überspielen, Verschweigen, Verschleiern oder Verharmlosen von Informationen. Subtexte, die sich auf die gesamte Handlung beziehen, sind z.B. Ungeduld, Antipathie oder Erotik.
    Szenen leben vom Verhältnis zwischen dem Ausgesprochenen und dem Nichtausgesprochenen. Erst in der Diskrepanz erhalten sie eine innere Dynamik, da nichts ist wie es scheint.
    Subtext entsteht in der Deutung des Dialogs bzw. der Handlung durch den Zuschauer. Um den Subtext überhaupt erkennen zu können, muss der Zuschauer also eingeweiht sein in das, worauf sich dieser bezieht.
    Eine Figur kann absichtlich und bewusst Subtext senden. In diesem Fall ist es die Entscheidung des Autors, wie er das Verhältnis zwischen Dialog und Subtext gestalten will: Wenig Subtext macht eine Szene direkt, viel Subtext dagegen subtil und bedeutungsvoll. Ein gutes Mittel, um Subtext wirken zu lassen, besteht darin, Stille oder Schweigen einzusetzen.
    Subtext kann aber auch unterbewusst ausgedrückt werden. Denn das, was Menschen sagen, entspricht in vielen Fällen nicht dem, was sie denken oder fühlen. Der Dialog und sein Subtext können nur graduell voneinander abweichen, das komplette Gegenteil darstellen oder sich auf zwei völlig verschiedene Dinge beziehen, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Dennoch kann das Gesprochene Aufschluss über das geben, was sich im Kopf eines Menschen abspielt, was ihn gerade beschäftigt, interessiert, aufwühlt. So entlarven beispielsweise die sogenannten Freud’schen Versprecher die Gedanken und das Unterbewusstsein eines Menschen. Aber auch die Wahl der Bilder und Assoziationen, die ein Mensch verwendet, verrät etwas über seine verborgenen Sehnsüchte, Ängste und Vorlieben.
    Der Subtext fordert vom Zuschauer eine unbewusste Wahrnehmungsleistung, damit er den emotionalen Gehalt einer Szene erfassen kann. Im Exposé oder Treatment ist der Subtext oftmals noch formuliert. Erst in der Drehbucharbeit wird er in Handlung übersetzt. Im Prozess des Probens wird der Subtext dann wieder enthüllt und verbalisiert, um ihn den Schauspielern bewusst zu machen.

      Blocking
      Unter Blocking versteht man die szenische Anordnung der Figuren zueinander im Raum. Es umfasst deren Raum-Blick-Verhalten, Berührungen und Körperhaltungen. Das Grob-Blocking ist Teil der szenischen Beschreibungen im Drehbuch, das Feinblocking erfolgt dagegen in der Inszenierung.

        Further ReadingLiteraturempfehlung

        Schütte, Oliver: »Schau mir in die Augen, Kleines«: Die Kunst der Dialoggestaltung. Konstanz 2010.


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