Topmenü

Strukturmodelle

Strukturmodelle

Form
Alle filmischen Strukturmodelle der geschlossenen Dramaturgie stellen Ableitungen des 5-Akt-Schemas dramatischer Theatertexte für das Medium Film dar. Da ihre Basisstruktur jeweils aus drei Akten besteht, lassen sie sich in einem Universalmodell integrieren:

3-Akt-Modell
Das 3-Akt-Modell bildet das Ur-Vehikel der geschlossenen Dramaturgie. Da der zweite Akt etwa doppelt so lang ist wie die Akte 1 und 3, wird er oft in zwei Hälften – Akt 2a und Akt 2b – unterteilt.

4-Akt-Modell
Das 4-Akt-Modell unterscheidet sich vom 3-Akt-Modell lediglich darin, dass es den zweiten Akt als zwei einzelne Akte begreift, da er etwa doppelt so lang ist wie die Akte 1 und 3. Diese Nummerierung kann jedoch missverständlich sein, da man normalerweise unter dem dritten Akt den letzten Akt eines Films versteht.

5-Akt-Modell
Im klassischen 5-Akt-Modell sind alle Akte (anders als im 3-Akt-Modell) ungefähr gleich lang. Die fünf Akte werden als Exposition, Komplikation, Peripetie, Retardation und Lysis/Dénouement bezeichnet.

8-Sequenzen-Modell
Das (8-)Sequenzen-Modell ermöglicht eine präzise Strukturierung, die selbst komplexe Geschichten in übersichtliche Einheiten gliedert. Es hat seinen Ursprung in dem Umstand, dass Filme früher aus acht Filmrollen zusammengesetzt wurden. Um den dramaturgischen Bogen zu erhalten, wurden die Rollen nach Möglichkeit dann gewechselt, wenn eine Sequenz abgeschlossen war. Bis in die 50er Jahre wurden viele Hollywood-Drehbücher sogar sichtbar in Sequenzen unterteilt.
Das Sequenzen-Modell wurde von Frank (František) Daniel entwickelt und von Paul Joseph Gulino in Buchform verfasst. Jede Sequenz besteht aus 8 bis 15 Seiten/Minuten und endet mit einem Wendepunkt. Indem man sich auf die dramatischen Aspekte jeder einzelnen Sequenz konzentriert, lassen sich die Herausforderungen der Geschichte im Ganzen leichter meistern. Chris Soth entwickelte mit seiner „Mini-Movie Method“ ein verwandtes Modell, das ebenfalls aus acht Sequenzen (Mini-Movies) besteht.

Heldenreise
Die Heldenreise stellt die unbewusste Geschichte des Protagonisten dar, seinen psychischen Entwicklungsprozess: Seine Reise stürzt den Protagonisten zunächst in eine existenzielle Krise und führt zu seinem Zusammenbruch. Doch der Held schafft den Durchbruch und geht schließlich gestärkt und gereift aus dieser Erfahrung hervor: „Wachstum durch Krise“ oder „vom Zusammenbruch zum Durchbruch“ – so kann man die Heldenreise auf einen kurzen Nenner bringen.
Die Form der Heldenreise ist eine Kreisbewegung, beginnend in der gewohnten (Tag-)Welt. Die Reise führt den Protagonisten über die Schwelle hinunter in die Nachtwelt, bevor der Wiederaufstieg in die Tagwelt und schließlich die Rückkehr erfolgt. Oftmals wird die Heldenreise als Modell der Plotstruktur verstanden, tatsächlich ist sie jedoch ein Modell für die Metastruktur der Geschichte. Als solches kann sie den kreativen Prozess unterstützen und inspirieren, indem sie eine Tiefenbetrachtung der Geschichte ermöglicht. Tagwelt und Nachtwelt stehen dabei für gegensätzliche Werte.
Joseph Campbell hat in „Der Heros in tausend Gestalten“ erstmals die universellen Strukturen der Mythen erkannt und als „Heldenreise“ mit insgesamt 17 Entwicklungsstadien herausgearbeitet. Christopher Vogler hat die Heldenreise für das Drehbuchschreiben entdeckt, indem er auch in (Film-)Erzählungen eine universale Struktur gesehen hat. In seinem Standardwerk „Die Odyssee der Drehbuchschreiber, Romanautoren und Dramatiker“ beschreibt er die Heldenreise als Monomythos mit 12 Entwicklungsstadien.

Step-Modelle
Ein Step-Modell ist ein Leitfaden für die Entwicklung einer (Film-)Geschichte. Jeder Step stellt ein Element bzw. Stadium der Geschichte dar und erfüllt eine bestimmte Erzählfunktion.
Es gibt verschiedene Step-Modelle, die vor allem von us-amerikanischen Drehbuchlehrern entwickelt wurden. Die Anzahl der Steps variiert je nach Lehre. Beispiele hierfür sind die 22 Story Steps von John Truby, die 16 Story Steps von Keith Cunningham oder die 15 Story Steps von John Vorhaus. Auch die 15 Beats von Blake Snyder („Save the Cat“) stellen ein vergleichbares Dramaturgiemodell dar.

Further ReadingLiteraturempfehlungen

• Campbell, Joseph: Hero with a Thousand Faces. London 1993. / Der Heros in tausend Gestalten. 1999.
• Cunningham, Keith: Soul of Screenwriting: On Writing, Dramatic Truth, and Knowing Yourself. London/New York 2008. / Die Seele des Drehbuchschreibens. 2017.
• Gulino, Paul: Screenwriting: The Sequence Approach. The Hidden Structure of Successful Screenplays. 2004.
• Snyder, Blake: Save the Cat! 2005. / Rettet die Katze! 2015.
• Soth, Chris: Million-Dollar Screenwriting: The Mini-Movie Method. 2014.
• Truby, John: The Anatomy of Story: 22 Steps to Becoming a Master Storyteller. London 2008.
• Vogler, Christopher: The Writer’s Journey: Mythic Structure for Writers. Kalifornien 1998. / Die Odyssee der Drehbuchschreiber, Romanautoren und Dramatiker: Mythologische Grundmuster für Schriftsteller. 2018.
• Vorhaus, John: The Comic Toolbox. Los Angeles 1994. / Handwerk Humor. 2010.

Comments are closed.